Zauberhafte Friedensvisionen auf der Zitadelle-Spandau

Verfasst von: Dipl. Päd. u. Theaterpädagogin Selena Plaßmann
Gaukler-Fest
Gaukler-Fest  Bild: Selena Plaßmann
Spandau an der Havel mit seinen Seen, Sandstränden und Wäldern wurde 1920 in Groß Berlin eingemündet. Der mittelalterliche Kern der von 1232-1920 selbstständigen Stadt Spandau befindet sich im Umkreis der Zitadelle. Durch die Zitadelle-Spandau weht noch immer der Esprit des Goldenen Zeitalters. Unter Denkmalschutz gestellt, bewahrt sie die Geschichte. Anstelle der mittelalterlichen Burg des frühen Jahrhunderts, wurde das Festungswerk nach italienischer Manier errichtet.

Auf der Zitadelle beherrschen auf dem Gauklerfest Geschöpfe der keltischen Mythologie und des Mittelalters die Szenerie. Raubjägern, Tänzerinnen, Narren, Spielleute, Reisende, Wahrsagerinnen und Drachenritter. Die dargestellte Philosophie und Lebensweise spiegelt sich auch in ihrer Alltagsrealität wieder. Auf der Bühne entzückten Rockbands mit arrangieren Highlights und Gaukler mit tiefsinnigen Weisen ihr Publikum. Zu dem Gauklerfest mit buntem Markttreiben, Kunsthandwerk, phantasievoller handgemachter Kleidung, erlesenen Schmuck, Töpfergut, Gewürze, Heil-Getränke und kulinarischen Besonderheiten reisten International Familien an. Vor den Ständen der schmackhaften Ritterspeisen und Honigwein-Verkostungen fanden anregende interkulturelle Gespräche statt. Die Kinder erfreuten sich auf einem nostalgischen Kettenkarussell und bei Führungen durch den Fledermauskeller.

Nostalgisches Kettenkarusell
Honigwein-Spezialitäten
Rockband Corvus-Corax
Gaukler der Flugträumer (Bild: Selena Plaßmann)

Auf dem mittelalterlichem Gauklerfest wurden die Uhren auf magische Weise zurückgestellt. In sternklaren Nächten leuchtete in Camelot DRACO - das Sternbild des Drachen - zwischen dem Großen und Kleinen Wagen. Der Drache steht symbolhaft für die Ewigkeit. Ein alchimistischer Prozess des Erkennens der Welt. Der Legende nach reisten eingeweihte Ritter - in ihrer Integrität unbestechlich - auf dem Atem des Drachens mit Lichtgeschwindigkeit zwischen ihren Heimatburgen und den Feenreichen. In der Zeitenwende vom hierarchischen Traditionalismus des Fische-Zeitalters zur Wassermann-Ära kündigt Merlin in seiner berühmtesten Vision - der Drachenprophezeiung - die Wiedergeburt des Drachen in einer Ära des Lichts an. Durch Freundschaftsbünde, blitzfunkelnde Intellektualität und Ritterlichkeit, soll eine Synthese und friedliche Koexistenz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnisse und religiösen Vorstellungen entstehen. „Über eineinhalb Jahrtausende wurde das Vermächtnis des Druiden von Camelot bewahrt“ (Manfred Böck).

Hofdame
Zeitgenössischer Raubritter
Gevatter
Zitadelle-Spandau (Bild: Selena Plaßmann)

Die Zitadelle Spandau gilt als berühmteste Festung der Hochrenaissance in Europa. Sie zählt auch zu den wichtigsten Winterquartieren der europäischen Fledermäuse; Brillenblattnasen, Nilflughunde und Vampirfledermäuse die in den Kellergewölben, mit ihren Familien, friedlich zusammenleben. Ein historischer Rundgang mit zeitgenössischer Festkultur enthüllt die Denkmallandschaft von Berlin. Im 17. Jahrhundert zu Zeiten des großen Kurfürsten, war das Torhaus mit einem Segmentengiebel geschmückt, in dem der Mittelpunkt aus 27. Feldern des brandenburgischen Staatswappens bestand. Nach seiner Krönung, ließ Friedrich der III. den Kurhut über dem brandenburgischen Staatswappen entfernen und durch die Königskrone ersetzen. Den Bau der Zitadelle beaufsichtigte der Venezianer Francesco Chiraramella. Das Prunkportal der Zitadelle Spandau, steht als Symbol Vorübereisenden aufzuzeigen, dass die Berliner autonom agieren und offenherzig der Kunst gegenüberstehen. Ebenfalls das Berliner Wappentier, die Bären mit erhobenen Tatzen, stehen für die Selbstbestimmung der Bürger.

Wegweiser (Bild: Selena Plaßmann)

Die von alten Bäumen umrahmte Freilichtbühne auf der Zitadelle wurde 1921 als Naturtheater, unter prekären Bedingungen, eröffnet. Obgleich die Gage manchmal einzig aus frisch gefangenen Havel-Fischen, oder einer gemeinschaftlichen Verköstigung bestand, glühten die Akteure für ihre Kunst. Mit Gefühl und Esprit erfreuten sie mit Lustspielen, charmanten Räubergeschichten und Märchen aus vergangenen Epochen, ihr Publikum. In den Goldenen Zwanzigern präsentierte sich die Theaterstadt Berlin weltoffen, authentisch und intelligent. Sinnlichkeit und Ästhetik wurden in den Focus gerückt, um das alltägliche Dasein zu erhöhen. Staatliche Opernhäuser, freie Theaterbühnen sowie Varietés, feierten eine neue Spielgestaltung und Schauspielkunst. Während das Pressewesen die Zersplitterung der politischen Baustellen erläuterte, wurde in den Salons mit feinsinnigem Charme der Geschichte ins Auge gesehen, ohne sie zu verschleiern. Auf dem Zitadellen-Gauklerfest wurde die druidische Weisheit, wie sie in der Poesie bewahrt wird, versinnbildlicht.